Das Für und Wider der jetzigen Gestaltung des Grindelhofes ist über Jahre diskutiert worden und mündete schliesslich in der seit 1998 bestehenden Lösung. Zusätzlich zu den damals evidenten Argumenten für eine Schliessung sind in den vergangenen Jahren neue hinzugekommen, die z. T. aus den Folgen des Rückbaus, z. B. für die Struktur des ansässigen Gewerbes, herrühren:

Übergeordneter- und Durchgangsverkehr
Die Verlagerung des Durchgangsverkehrs ist weiträumig, nicht nur auf die (jeweils vierspurig befahrene) Hallerstraße und Rothenbaumchaussee, und ohne Komplikationen vonstatten gegangen. Nadelöhr war und bleibt die Kreuzung Theodor-Heuß-Platz, die auch bei Öffnung des Grindelhofs nicht entlastet würde.
Hinsichtlich der verkehrlichen Erschließung neuer Infrastruktureinrichtungen am Rothenbaum (z. B. Medienzentrum und Tennisarena) besitzt die Situation am Grindel keinerlei Relevanz.
Das Ziel, den stockenden Verkehr aufzulösen, würde nicht erreicht werden. Ganz im Gegenteil: Wie bereits vor der Öffnung würde es zu zusätzlichen Staus im Grindelhof und an den anliegenden Kreuzungen kommen. Der zweispurige, stark verschwenkte Grindelhof konnte und kann den dann jeweils vierspurig einmündenden Durchgangsverkehr nicht aufnehmen. Hinzu kommt, dass ein unvermeidliches Halten in zweiter Reihe (Lieferverkehr etc.) einen gleichmässigen Verkehrsfluss in der engen Strasse verhindert. Die Anpassung der Ampelphasen an der Kreuzung Grindelallee / Grindelhof / Rentzelstrasse würde zudem den Verkehrsfluss auf der Grindelallee verursachen.

Einzelhandel
Die Geschäftsstruktur der Straße hat sich seit ihrer Schließung deutlich verändert. Lebten (nach umstrittener Einschätzung der Handelskammer) vor dem Rückbau zahlreiche Geschäfte vom Durchgangsverkehr, so wird heute ein Großteil des Umsatzes durch die (Außen-) Gastronomie erwirtschaftet. Hier wären schwere Umsatzeinbußen zu befürchten. Das Gewerbe hat am Grindelhof mit den selben Schwierigkeiten zu kämpfen wie in anderen Quartieren (Abwanderung der Kundschaft in die Einkaufszentren und großen Supermärkte) (vgl. auch hier). Vergleichbare Strassen vollziehen trotz ihrer Eigenschaft als Durchgangsstrasse (Osterstrasse, "Fuhle" etc.) einen ähnlichen Strukturwandel, erfahren eine ähnliche Fluktuation, sind jedoch bei weitem unattraktiver. Verkehrlich "optimal erschlossene" Strassen (wie etwa die in unmittelbar Nähe gelegene Grindelallee) hingegen weisen deutliche Erosionsspuren, eine extreme Fluktuation, eine hohe Leerstandsquote etc. auf.

Stellplätze - Attraktivität - Erreichbarkeit
Die Zahl der Stellplätze ist höher als vor der Schliessung. Auch bei einem großen Teil der ansässigen Gewerbetreibenden stößt die Wiederöffnung auf Ablehnung. Das Viertel ist -wie vor der Schliessung- aus allen Richtungen erreichbar. Lediglich die Durchfahrt von Nord nach Süd ist nicht mehr möglich.
Nicht zuletzt lässt sich die Attraktivität eines verkehrsberuhigten Grindelhofes auch an der Entwicklung sowohl der Wohnungs- als auch der Ladenmieten ablesen. Laut Aussage des Grundeigentümerverbandes sind die Immobilienpreise nach der Verkehrsberuhigung deutlich gestiegen.
Der Grindelhof in seinem jetzigen Zustand ist lebendig, Wohnungen wie Läden sind begehrt und profitabel zu betreiben.
Die Strasse bildet das Herz des Univiertels. Sie ist mit ihrer gewerblich-gastronomischen Infrastruktur als Treffpunkt, Flanier- und Einkaufsmeile über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt und beliebt (vgl. auch hier).

Schadstoffbelastung
Die Schadstoffbelastung im engbebauten, verwinkelten Viertel war vor der Schließung extrem. So wurden im Grindelhof Werte gemessen, die doppelt so hoch lagen, wie in der Stresemannstrasse. Die Reduzierung des Durchgangsverkehrs um rund 40% führte zu einer spürbaren Verbesserung.

Alternative Verkehrsmittel und Unfallzahlen
Der Grindelhof liegt inmitten eines der am dichtesten besiedelten innerstädtischen Wohngebiete und in unmittelbarer Nachbarschaft der Universität. Das nichtmotorisierte Verkehrsaufkommen ist extrem hoch. Die Metrobuslinie 5 hat das höchste Fahrgastaufkommen Europas, die neu etablierte Metrobuslinie 4 hat ebenfalls sehr hohe Beförderungszahlen. Gerade der teilgesperrte Abschnitt zwischen der Haltestelle Grindelhof und dem Allendeplatz barg mit seinen unzureichenden Fuß- und Radwegen über Jahrzehnte ein hohes Unfallpotential. Die Schliessung brachte hier deutliche Entlastung. (Unfallentwicklung:hier)

Anwohnerschaft
Eine große Mehrheit in der Anwohnerschaft als tagtäglich und unmittelbar Betroffene steht dem Vorhaben ablehnend gegenüber.

Kosten
Die zu erwartenden Baukosten sind -gerade angesichts leerer Kassen und drängenderer Aufgaben im Tiefbaubereich- nur schwer zu vermitteln. Die für den Rückbau eingestellten Mittel sollten für eine Attraktivitätssteigerung des nördlichen Abschnitts verwendet werden, etwa einer Neugestaltung des Hallerplatzes.