Die Gründe, die die Initiative im Hinblick auf eine Großgarage am Allendeplatz skeptisch stimmen, lassen sich in wenigen Worten zusammenfassen:Der Bedarf für eine zweite Quartiersgarage ist zweifelhaft. Die vom Bezirksamt beauftragte Bedarfsanalyse sieht ihn nicht.

Die Kosten von rd. 10 Mio. € sind immens, das Geld an anderer Stelle besser aufgehoben.

Der Parkplatzsuchverkehr im Viertel wird nicht vermindert werden, denn: Kostenlose Parkplätze gehen vor kostenpflichtigen Garagen.

Eine umfassendes Parkraumbewirtschaftungskonzept für das Viertel fehlt.

Im Gegenteil: Bedarfe werden generiert. Zusätzlicher Parkraum erzeugt zusätzlichen Verkehr, ein falsches Signal für Besucher des Viertels wird gesetzt.

Die historische Baustruktur des engen Grindelhofes ist zur Erschließung einer Großgarage ungeeignet.

Die in breitem Konsens beschlossene Beruhigung des Grindelhofes würde konterkariert.

Mittelfristig steht zu befürchten, dass die erneut die Öffnung der Strasse gefordert wird.

Die "Aufwertung" des Allende-Platzes ist marginal, steht in keinem Verhältnis zu den Nachteilen durch Zu- und Abfahrten durch das Viertel.

ca. zwei Drittel des Allendeplatz würden durch Zu- und Abfahrtsspuren, Rampen, Be- und Entlüftung sowie Behindertenstellplätzen belegt bleiben s. Abb.

Die angenomme Nutzung der Tiefgarage durch Kurzparker (Bäcker, Reinigung, Zeitung) ist unrealistisch, gleiches gilt für die Quote von Dauerparkern.

Der Allende-Platz ist durch Universität und Grindelallee relativ isoliert. Eine Akzeptanz der Garage hinter diesen "Barrieren" ist unwahrscheinlich, der Standort ungeeignet.

 

 

Stefanie Jockers hat diese Argumente im Namen der Initiative bereits am 2. Juni in einem Brief an die in der Bezirksversammlung Eimsbüttel vertretenen Parteien wie folgt formuliert:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Bürgerinitiative Grindelhof hat sich in ihrer letzten Sitzung auf Grundlage der Informationen im Kerngebietsausschuss nochmals mit dem Bauvorhaben der Tiefgarage unter dem Allende-Platz beschäftigt. Unsere Gründe, warum wir dieses Projekt ablehnen, möchten wir Ihnen im Folgenden darlegen.

Als Hauptproblem sehen wir, dass der Grindelhof durch die Garage stärker durch Verkehr belastet wird. Von einem solchen Bau, vor allem bei den geplanten Kapazitäten von über 200 Stellplätzen, geht ganz klar das Signal an Besucher aus, dass es kein Problem mehr ist, einen Parkplatz zu bekommen und eine Anfahrt mit dem Auto somit erwünscht ist. Ob diese Autofahrer dann wirklich kostenpflichtigen Parkraum in Anspruch nehmen, ist fraglich. Als Konsequenz wird es zu einem erhöhten Druck auf die vorhandenen Parkplätze kommen und sich das "wilde Parken" im Grindelhof und den Seitenstraßen verstärken. Besonders gefährlich und ärgerlich ist diese Behinderung schon jetzt für Kinder, Fußgänger und Radfahrer. Mit dem erhöhten Parksuch- bzw. An- und Abfahrtverkehr nimmt auch die Belastung durch Lärm und Abgase zu. Die Parksituation für Anwohner verschlechtert sich.

Unserer Ansicht nach ist der Allende-Platz nicht der geeignete Standort für eine Quartiersgarage. Es wird davon ausgegangen, dass kostenpflichtige Stellplätze nur in einem sehr engen Radius von wenigen hundert Metern angenommen werden. Dann liegt die Garage ungünstig, da sich im Umkreis nicht der Schwerpunkt der Bebauung des Viertels befindet, sondern überwiegend Gebäude der Universität. Diese verfügt über eine eigene Großgarage, über deren Auslastung es unterschiedliche Einschätzungen gibt. Letztlich profitieren nur das Abaton-Kino, das aber seit Jahren eigene Mietparkplätze anbietet, sowie die direkt gegenüber liegende Gastronomie. Der Großteil der Geschäfte befindet sich weiter weg im nördlichen Bereich des Grindelhofs. Es ist also fraglich, ob die Garage von Anwohnern wie von Besuchern angenommen wird und damit überhaupt profitabel betrieben werden kann.

Der von der Sprinkenhof AG angepriesene neue Platz, der entstehen soll, wird dominiert von einer großen Tiefgarageneinfahrt mit ein- und ausfahrenden Autos. Wo bleibt da noch Platz für eine Platzgestaltung? Auf keinen Fall stellt dies eine wirkliche Verbesserung zum momentanen Zustand dar. Im Gegenteil befürchten wir, dass die positive Umgestaltung hier im südlichen Grindelhof zunichte gemacht wird, wenn noch mehr Autos ein- und ausfahren und der Verkehr sich aus Richtung Grindelallee zurückstaut.

Die Garage am Allende-Platz ist eines von mehreren zurzeit entstehenden Parkangeboten. Es werden Überkapazitäten entstehen. Das von "Argus" erstellte Gutachten zum Parkraumbedarf berücksichtigt vermutlich nur eine durch Zählung hochgerechnete Anzahl von Parkplätzen, ohne Berücksichtigung ob es sich um bezahlte oder unbezahlte handelt. Es ist uns nicht bekannt, dass darüber hinaus eine Befragung der Anwohner durchgeführt wurde, ob sie bereit wären, einen Parkplatz anzumieten. Aus einer solchen Befragung könnte eine realistische Einschätzung des Bedarfs resultieren.


Wir fordern Sie auf, dafür zu sorgen, dass zunächst Erfahrungen mit den in Bau befindlichen Projekten abgewartet werden. Weiterhin fordern wir die Einführung eines effizienten Parkraum-Managements nach dem Berliner Modell statt des ständigen Neubaus von Garagen. Die für den Bau von Garagenplätzen vorgesehenen öffentlichen Fördermittel aus der Stellplatzabgabe sollten für eine behinderten- und kinderwagengerechte Umgestaltung des U-Bahnhofs Hallerstraße eingesetzt werden.

Wir bitten Sie, unsere Interessen entsprechend zu vertreten und uns über das weitere Vorgehen zu informieren.

 

Mit freundlichen Grüßen aus dem Grindelhof

Stefanie Jockers
für die Bürgerinitiative


Hamburg, den 2. Juni 2005