Eppendorfer Wochenblatt vom 2.10.2003

 


Joseph Carlebach Platz wieder sauber

Das Unkraut wuchert nicht mehr zwischen den Steinen des Joseph Carlebach Platzes. Die
Fläche am Grindelhof, auf der ein Mosaik an Hamburgs größte, 1938 durch die
Nationalsozialisten zerstörte Synagoge erinnert, wurde kürzlich mit Kräften einer
Arbeitsbeschaffungsmaßnahme der "Schutzgemeinschaft Deutscher Wald" gereinigt und von
ungewolltem, aggressiven Pflanzenbewuchs befreit. Dabei haben sich die Arbeitslosen
mächtig ins Zeug gelegt. "Die waren sehr zuverlässig und haben hervorragende Arbeit
geleistet", lobt der zuständige Regionalleiter der Tiefbauabteilung Eimsbüttel, Hans-Jürgen
Schermuk. Die Tiefbauabteilung Eimsbüttel hatte die Maßnahme angeordnet, nachdem ein
Arbeitskreis zur regelmäßigen Pflege des Platzes gebildet worden war, in dem sich Vertreter
des Bezirksamtes, der Jüdischen Gemeinde und der Bürgerinitiative, die auf den
ungepflegten Zustand des Carlebach Platzes aufmerksam gemacht hatten,
zusammengefunden haben. Die Fläche soll künftig "nach Bedarf" gereinigt werden - falls die
Arbeitsbeschaffungsmaßnahme mit der "Schutzgemeinschaft Deutscher Wald" weiter zur
Verfügung steht. Derweil haben sich bei der Bürgerinitiative viele Paten und Spender
gemeldet, die sich für die geschichtsträchtige Stätte einsetzen wollen. Die finanziellen Mittel
will die Initiative in Pflanzen investieren, um den Platz zu verschönern. Außerdem soll eine
Tafel mit einem Bild der Synagoge aufgestellt werden, die über das Bauwerk informiert.
Derzeit hängen lediglich zwei schwarze, schlecht lesbare Tafeln an dem früheren Bunker, der
den Platz begrenzt und heute von der Universität genutzt wird. "Viele denken, dass die
Synagoge dort gestanden hat", hat Heidi Minke von der Initiative beobachtet. Die Gruppe
plant, in dem einstigen Bunker eine Begegnungsstätte zur Synagoge einzurichten, in dem
auch Ausstellungen stattfinden könnten. Die Universität stellt voraussichtlich einen Raum zur
Verfügung. Wer die Initiative unterstützen möchte, wendet sich an Beate Reinhardt (Tel:
45039314). Spenden dürfen gern auf das Konto Nr. 74768204 bei der Postbank (BLZ
20010020) eingezahlt werden (Stichwort: Joseph-Carlebach-Platz).