Eppendorfer Wochenblatt vom 17.07.2003

 


Das Denkmal verkommt

Löwenzahn, Kamille und Unkraut aller Art haben es
gut auf dem Joseph-Carlebach-Platz und den
angrenzenden Grünflächen. Niemand stört die rasch
wachsenden Pflanzen. Nahezu ungehindert dringen
sie zwischen den einst sorgsam verlegten
Mosaiksteinen des Denkmals für die 1938/39 zerstörte,
damals größte norddeutsche Synagoge hervor und
entwickeln dabei zerstörische Kraft. Auf den
angrenzenden Grünflächen wachsen die hässlichen Pflanzen in ungeahnte Höhen und
verbergen leere Bierdosen und anderen Müll, den unachtsame Zeitgenossen dorthin
befördern. "Das ist eine Schande für Hamburg. Reisegruppen werden von der Stadt
eingeladen und über diesen Platz geführt. Sehr oft sind deren Teilnehmer ehemalige
jüdische Verfolgte, die zum ersten Mal ihre Heimat wiedersehen", erregt sich Heidi Minke von
der Bürgerinitiative Grindelhof. Sie und andere Mitglieder der Initiative haben den Platz im
April mühsam mit den eigenen Händen gesäubert. Das Abbrennen von Unkraut verbietet der
jüdische Glaube und ein Ausstreuen von Pflanzenvernichtungsmitteln wäre schädlich für das
Mosaik. Die Gartenbauabteilung des zuständigen Bezirksamtes Eimsbüttel hat für die
regelmäßige Reinhaltung des Platzes kein Geld mehr. Doch die Grindelhofanwohner können
den Joseph-Carlebach-Platz nicht regelmäßig pflegen. Daher unterbreitete die Initiative dem
Kerngebietsausschuss (KGA) Eimsbüttel kürzlich den Vorschlag, Paten für das Denkmal und
seine Umgebung zu gewinnen. "In Harvestehude und Rotherbaum wohnen viele
wohlhabende Bürger. Vielleicht interessieren sich ja einige für diesen Platz und übernehmen
eine Patenschaft in der Form, dass sie jährlich einen Betrag spenden, für den eine Gärtnerei
den Platz einmal neu bepflanzt und viermal im Jahr reinigt", hofft Heidi Minke, die auch
weitere Arbeiten der Initiative in Aussicht stellte. Der KGA zeigte sich sehr angetan. Der
SPD-Fraktionsvorsitzende Gerhard Behrens schlug vor, einen Aktionstag auf dem Platz zu
veranstalten, um die Probleme zu verdeutlichen. Reinhard Buff, der Leiter der
Stadtplanungsabteilung, stellte eine Gesprächsrunde mit allen Betroffenen in Aussicht. Wer
an einer Patenschaft für das Denkmal interessiert oder etwas spenden möchte, kann sich an
Heidi Minke (Tel: 447109) wenden oder auf das Konto der Postbank
Hamburg (BLZ 20110022) mit der Nr. 2829573144 (Stichwort "Initiative Grindel") einzahlen.
Das Geld wird für die Reinigung des Platzes genutzt.