Eppendorfer Wochenblatt vom 29. April 2004

 



Tochter des Oberrabiners am Grindel

Gleich zweimal trat Miriam Gilles-Carlebach, die Tochter des letzten Oberrabiners der Bornplatz-Synagoge, in den letzten Tagen am Grindel in Aktion. Auf dem nach ihrem Vater benannten Joseph-Carlebach-Platz am Grindelhof, auf dem bis 1939 die größte Synagoge Norddeutschlands stand, pflanzte sie zusammen mit Felix Grassmann, dem Junior-Chef des nahegelegenen Abaton-Kinos, eine Kastanie, die das Abaton-Kino gestiftet hatte. Drei Tage später stand die seit 1938 in Israel lebende Miriam Gilles-Carlebach vor dem Haus Hallerstraße 76, in dem sie bis zu ihrem 16. Lebensjahr gewohnt hatte. Dort hatte Künstler Gunter Demnig elf seiner Stolpersteine verlegt, die an die ermordeten jüdischen Bewohner dieses Hauses erinnern. Darunter befanden sich vier Mitglieder der Familie Carlebach: Miriams Eltern Joseph und Charlotte Carlebach sowie ihre drei jüngeren Schwestern Sara, Noemi und Ruth. "Erst jetzt kommen die Namen der Bewohner zurück", sagte Miriam Gilles-Carlebach, die sich freute, dass etwa 50 Menschen der Zeremonie beiwohnten. "Das ist nicht selbstverständlich", fand die frühere Grindel-Bewohnerin eingedenk ihrer leidvollen Erinnerung an Deutschland.