Eimsbütteler Wochenblatt vom 30. April 2004

 




Ein Baum für den Joseph-Carlebach-Platz
Das Synagogen-Denkmal am Grindelhof ist nun wieder komplett.

Die Initiative Grindelhof setzt sich seit dem vergangenen Jahr für die Pflege des Joseph-Carlebach-Platzes ein. Dort, wo einst die berühmte Bornplatz-Synagoge stand, befindet sich seit 1987 ein von der Künstlerin Margrit Kahl geschaffenes Mosaik. Rund um das Denkmal steht eine Baumreihe. Als im letzten Winter eine Kastanie gefällt werden musste, gab es keine Nachpflanzung. „Die Stadt hat dafür kein Geld mehr“, lautete die Ansage aus der Gartenbauabteilung. Die Bürgerinitiative hat sich daher entschlossen, eine Baumpatenschaft zu übernehmen.

Ini-Mitglied Felix Grassmann spendete eine bereits herangewachsende Kastanie. Miriam Gilles-Carlebach, Tocher des unvergessenen Oberrabiners übernahm es am Freitag vergangener Woche, den Baum einzupflanzen. „Ich danke der Initiative für ihr Engagement“, erklärte Gilles-Carlebach.

Ihre Eltern waren samt vier Kindern 1941 deportiert und ermordet worden. Gilles-Carlebach flüchtete bereits 1938 nach Palästina. Nach einem Kibbuz-Aufenthalt studierte sie und promovierte 1984. Seit 1992 leitet sie in Israel das Joseph-Carlebach-Institut. Das Institut beschäftigt sich mit der Erforschung zeitgemäßer jüdischer Geisteslehre.
Gilles-Carlebach hat verschiedene Bücher zu den Themen Sonder- und Lesepädagogik sowieder Judaistik veröffentlicht.