11. September 2008

BÜRGERBEGEHREN ZUM ERHALT DER UNIVERSITÄT HAMBURG AM JETZIGEN STANDORT

Die Bürgerinitiative Grindelhof beginnt am Sonnabend, den 13. September 2008 mit einer Unterschriftensammlung für ein Bürgerbegehren zur Herbeiführung eines Bürgerentscheids zum Verbleib der Universität Hamburg an ihrem jetzigen Standort (im Stadtteil Rotherbaum/Bezirk Eimsbüttel). Am Stand der Bürgerinitiative auf dem Festival der Kulturen (Allendeplatz vor dem Pferdestall) soll eine breite öffentliche Diskussion über die von der Wissenschaftsbehörde angestoßene Diskussion über eine Verlagerung der Universität Hamburg auf den Grasbrook südlich der neu geplanten Hafencity beginnen.

Die Universität Hamburg, vor fast hundert Jahren in Hamburg-Rotherbaum gegründet, ist in diesen Stadtteil hinein und über ihn hinaus gewachsen, hat ihn in vielerlei Hinsicht geprägt und sein soziales und kulturelles Profil maßgeblich mitbestimmt. Dass architektonische und städtebauliche Konzepte dieser Entwicklung nicht immer aufs trefflichste geglückt sind, widerspricht nicht der Bedeutung der Universität für den Stadtteil, es macht gerade auch das besondere Spannungsverhältnis zwischen gründerzeitlicher Wohnbebauung und den architektonischen und städtebaulichen Konzepten der 1950er und 1960er Jahre aus. Dass einige Universitätsgebäude von Paul Seitz (Philosophenturm, PI) und Bernhard Hemkes (Auditorium maximum) inzwischen eine besondere Anerkennung erfahren, ist nur ein Aspekt für den Erhalt der Universität an diesem Ort.
Unbestritten ist ein Sanierungsbedarf an den Gebäuden. Aber dieses Resultat der Vernachlässigung gröbster Art ist in allererster Linie der Wissenschaftsbehörde und damit der Hansestadt zuzuschreiben. Vor fünfzig Jahren wurde die Universität in diesen Stadtteil in ziemlich unsensibler Weise erweitert: die historischen Straßenzüge wurden eliminiert (damit auch zum Teil die Erinnerungen gerade an die jüdische Vergangenheit zum Beispiel in der Benneckestraße). Der Bornpark musste dem Campus weichen. Der Platz der ehemaligen Bornplatz-Synagoge war viele Jahre ein heruntergekommener Parkplatz, bevor er in seiner heutigen Gestalt des Joseph-Carlebach-Platzes an seine Vergangenheit erinnerte. Einige Entwicklungschancen der Universität wurden leichtsinnig verspielt, wie zum Beispiel die Nutzung des ehemaligen Hauptpostamtes in der Schlüterstraße.
Die Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach nennt einen Sanierungsbedarf in dreistelliger Millionenhöhe. Die Sanierungsmaßnahmen der letzten Jahre beliefen sich aber bereits auf ca. 150 Millionen Euro! Neubauten wie das ZMAW sowie das kurz vor der Fertigstellung stehende Klimarechenzentrum werfen Fragen nach dem wirtschaftlichen und verantwortlichen Umgang mit Steuergeldern bei derartigen Überlegungen auf. Der Umfang der Stiftungen der Eheleute Hannelore und Helmut Greve (Flügelbauten, Bibliothek der Musikhochschule etc.) sind hier noch nicht einmal in Betracht gezogen.
Die Bürgerinitiative betrachtet den Wegzug der Universität als nicht zu kompensierende Veränderung des Charakters des Stadtteils und will daher eine Diskussion über die Entwicklungsmöglichkeiten der Universität am derzeitigen Standort begleiten. Wir sind davon überzeugt, dass eine den Bedürfnissen und Veränderungs- und Wandlungsprozessen der Universität angemessene Entwicklung auch in diesem Stadtteil möglich ist.