Grindelhof: Protest gegen Mettbach-Plan
Lösung? Sierichstraße soll als Vorbild für die
Verkehrsführung dienen.

Von Andreas Burgmayer, Anja Harders

Mario Mettbach, Senator für Bau und Verkehr, möchte ein
weiteres Kapitel in der scheinbar endlosen Geschichte um
die Verkehrsführung des Grindelhofes schreiben. Diesmal ein
ganz ausgefallenes: "Wechselseitige
Einbahnstraßenregelung" ist der Titel. Alles soll so werden
wie auf der Sierichstraße. Dort läuft der Verkehr seit den
50er-Jahren von 4 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags
stadteinwärts und von 12 Uhr bis morgens um 4 Uhr
stadtauswärts. Mettbachs Behördensprecherin Claudia
Eggert: "Mit der Umsetzung ist in diesem Jahr nicht zu
rechnen." Es fehle noch die Abstimmung mit allen
Beteiligten. Ganz einfach dürfte es damit nicht werden:
Denn nur wenige außer Mario Mettbach halten seine Idee
für sinnvoll. Als die schlechteste der denkbaren Lösungen
bezeichnet Marc-André Gustke (32) den Vorschlag. Gustke
ist Sprecher der Anwohner-Initiative "Grindelhof gut so -
Grindelhof bleibt so". Die "Sierichstraßen-Lösung" sei
unsinnig und habe keinerlei Vorteile für das Viertel.

Auch vom ADAC gibt es harsche Kritik. "Das ist wirklich
völliger Blödsinn. Alles soll so bleiben, wie es jetzt ist", sagt
ADAC-Sprecher Matthias Schmitting. Auf dem kurzen Stück
zwischen Hallerstraße und Grindelallee sei der
Richtungsverkehr unpraktikabel.

Mit Unverständnis nimmt die Eimsbütteler Bezirkspolitik den
Vorschlag Mettbachs entgegen. Parteiübergreifend hatte
die Bezirksversammlung gerade dem Bürgerbegehren zum
Erhalt des Grindelhofes in seiner jetzigen Form zugestimmt -
mit den Stimmen der CDU. "Dazu stehen wir nach wie vor",
sagt Niels Böttcher (40) von der CDU-Fraktion Eimsbüttel.
"Unsere Entscheidung war mit der Bürgerschaft
abgesprochen. Wir sollten das Flair auf dem Grindelhof nicht
gefährden." Jan Biesenbender, Sprecher der GAL-Fraktion
Eimsbüttel sagt: "Nur um dem Koalitionsvertrag ansatzweise
Genüge zu tun, wird nun ein Modell auf den Tisch gelegt,
dessen Sinnhaftigkeit in keinster Weise geklärt ist." Mario
Mettbach also allein auf weiter Flur? Rückendeckung kommt
aus der Regierungskoalition. Bernd Reinert (51),
CDU-Verkehrsexperte: "Der Vorschlag ist eine gute Lösung:
Der lahm gelegte Verkehr in Richtung Innenstadt kommt in
Fluss." Und auch sein Fachkollege Ekkehard Rumpf (37, FDP)
sieht den Grindelhof als Tangente in die Innenstadt, die
durch Mettbachs Idee das Grindelhof-Gebiet verkehrsmäßig
entlasten würde.