Hamburger Abendblatt vom 20. Oktober 2003


Schlüterstraße: Postamt verkauft
Initiative sieht Chance für Uni-Nutzung vertan.
CDU gegen Gewerbeansiedlung.

Von Elisabeth Stimming

Die alte Post an der Schlüterstraße wird an einen
Immobilienfonds verkauft. Das hat die Bürgerinitiative
Schlüterstraße aus Politikerkreisen erfahren. "Damit ist eine
großartige Chance, die Universität zu erweitern, vertan,
kritisiert Dieter Uentzelmann von der Initiative. Im
Stadtplanungsausschuss Eimsbüttel steht morgen bereits ein
gemeinsamer Antrag von SPD und GAL zur Änderung des
geltenden Bebauungsplanes auf der Tagesordnung: Sie
wollen die öffentliche Nutzung des denkmalgeschützten
Gebäudes in Wohn- und gewerbliche Nutzung umwandeln.

Drei Jahre hatte die Stadt mit der Telekom über den Verkauf
des Gebäudes verhandelt. Bis zu 35 Millionen Euro wollte sie
bezahlen. Die Räume sollten als Erweiterung für die
Universität dienen. Darin waren sich die Politiker einig. Die
Verhandlungen waren immer wieder an dem geforderten
Preis von zuletzt rund 60 Millionen Euro gescheitert. "Das
Gebäude ist prädestiniert für eine Uni-Nutzung, schließt
direkt an den Campus an und hat Platz für ganze
Fachbereiche, Hörsäle und Verwaltung", erklärt Dieter
Uentzelmann. Seine Initiative hatte die Verhandlungen
angeregt.

Für die Haltung der Eimsbütteler Fraktionen von GAL und
SPD hat Uentzelmann kein Verständnis: "Wenn der Bezirk die
Nutzung der Post ändert, sind dem Investor Tür und Tor
geöffnet." Selbst die Anregung der Fraktionen, die
Universität sollte vom Investor vorrangig berücksichtigt
werden, sind kein Hindernis: "Die Uni kann nicht jede Miete
bezahlen. Damit ist sie als Mieter schnell aus dem Rennen."

Im Stadtplanungsausschuss wird die CDU mit einem
Gegenantrag antreten: "Eine gewerbliche Nutzung durch
Private innerhalb der alten Post steht den Zielen einer
geordneten Stadtentwicklung innerhalb des Quartiers
entgegen", heißt es darin. Michael Westenberger,
baupolitischer Sprecher der Fraktion, sagt: "Eine derartige
Änderung, ohne das Konzept des Nutzers zu kennen und
ohne Befragung der Bürgerinnen und Bürger, wird es mit uns
nicht geben."

Probleme sehen die Kritiker auch in der Belastung der
umliegenden Wohngebiete durch zusätzlichen Verkehr. Das
Uni-Viertel leidet seit Jahren unter dem Mangel an
Parkplätzen. Die umliegenden Straßen sind außerdem durch
die Kammerspiele, das Abaton-Kino und zahlreiche Kneipen
und Restaurants belastet. "Dazu besteht nur dann die
Möglichkeit, Grünflächen der Uni langfristig von Bebauung
freizuhalten, wenn sie in die Post zieht", heißt es weiter in
dem Antrag.

Gegen den Verkauf an den Meistbietenden ist nach
Uentzelmanns Ansicht nichts einzuwenden, aber: "Die Stadt
müsste bei der geltenden Nutzung bleiben. Sie hatte alle
Trümpfe in der Hand, ihre geplante Nutzung durch die
Universität durchzusetzen."

erschienen am 20. Okt 2003 in Hamburg