Hamburger Abendblatt vom 22. Oktober 2003

An Bank verkauft: Aber die Post bleibt
Schlüterstraße: Eine Umwandlung zu Wohnungen
und Gewerbe wirds vorerst nicht geben.

Das Bankhaus Wölbern, Spezialist für Immobilienfonds, hat
die alte Post an der Schlüterstraße gekauft. Das bestätigte
Marco Gebhard vom Bankhaus Wölbern. Die befürchtete
Umwandlung in Wohn- und gewerbliche Nutzung wird es
dennoch so schnell nicht geben: Die Mietverträge von Post
und Telekom-Töchtern laufen noch bis 2008 und 2018,
bestätigte Eimsbüttel-Bezirkschef Jürgen Mantell dem
Abendblatt. Ein Antrag der GAL- und SPD-Bezirksfraktion auf
andere Nutzung hatte für Protest aus den Reihen der
Anwohner gesorgt (wir berichteten). Im
Stadtplanungsausschuss zogen die Fraktionen ihren Antrag
zurück.

Das Problem: Nach den gescheiterten Verhandlungen der
Stadt mit der Telekom und dem Verkauf an einen privaten
Investor schien die Zukunft der Universitätserweiterung in
Frage gestellt. Zwar setzen sich die beiden Fraktionen von
SPD und GAL dafür ein, dass die Uni nach Ablauf der
bestehenden Mietverträge als Mieter "vorrangig
berücksichtigt" wird. Zuletzt, so Dieter Uentzelmann von der
Bürgerinitiative Schlüterstraße, war von einem Mietpreis von
zwölf Euro pro Quadratmeter die Rede. Die Initiative hatte
vor drei Jahren die Verhandlungen zwischen Stadt und
Telekom angeregt, um die Post als Erweiterung für die Uni zu
sichern. Die wollte mit der Erweiterung den Campus stärken.


SPD-Fraktionschef Andreas Koeppen sagte gestern: "Erste
Priorität muss die Universität haben. Wir können uns aber
auch Rechtsanwälte und Ärzte in der Post vorstellen. Eine
moderate Nutzungsausweitung eröffnet durchaus Chancen
für den Stadtteil." Gegenüber der Initiative sei die SPD
gesprächsbereit. Die Bank setzt auf ein langfristiges
Nutzungskonzept. So wie mit den derzeitigen Mietern.
Danach, so Marco Gebhard, sei die Universität "unser
bevorzugter Mieter". Die Bank hat auch in Wien ein
Universitätsgebäude gekauft, setzt auf bodenständige
Investments: "Wir sind keine Spekulanten, und die Post ist
auch nichts für spekulative Fantasien", erklärt Gebhard. Zum
einen habe die Stadt bei der Nutzung mitzureden: "Nur sie
kann diese ändern." Und: Eine Wohnnutzung, wie von SPD
und GAL in ihrem Antrag gewünscht, kommt nach Ansicht
von Gebhard gar nicht in Frage: "Die Nutzung ist
eingeschränkt durch die Architektur und die
Parkplatzsituation."

Die Telekom bei der Bank als Spitzenmieter - sie hat ca. 32
000 Quadratmeter der insgesamt 37 000 bis 2018 unter
Vertrag. Gebhard: "Dieser Mieter ist sicher und groß. Aber
die Universität wäre ein interessanter Nachmieter." Wenn die
Telekom ihren Mietvertrag nicht verlängert. eli