Hamburger Abendblatt vom 30.08.2002.


Musik gegen Blech und Abgase am Grindelhof


Hamburg - Wo einst Autos in beide Richtungen rollten,
fahren sie jetzt nur noch in eine: am Grindelhof. Gegen die
Pläne des neuen Senats, diese Verkehrsberuhigung wieder
rückgängig zu machen, hat sich eine Bürgerinitiative
gebildet. Heute wollen sich die Initiatoren mit einer "Langen
Nacht am Grindelhof" für die Unterstützung, die ihr
Bürgerbegehren erfahren hat, bedanken.

Von 17 Uhr bis spät in die Nacht ist ein kulturelles Programm
geplant, das mit Renate Zilligens Dokumentarfilm "Ein Ort,
den ich verlassen musste" über die jüdische Geschichte des
Viertels beginnt (17 Uhr, Abaton-Kino). Nach der offiziellen
Eröffnung um 19 Uhr auf dem Allende-Platz gibt es neben
Musik viel Literatur, unter anderem von Petra Oelker,
Michael Koglin, Frank Göhre und Gunter Gerlach, zu hören.
Die Krimiautorin Regula Venske hat eine besondere Bindung
zum Grindelviertel, das sie noch aus ihren Studienzeiten
kennt: "Damals gab es zwei hochschulpolitische
Maßnahmen, die Studentenzahlen zu dezimieren: vom
Philosophenturm herabfallende Steine und der Überweg
zwischen dem Abaton und dem Café Neumann. Wer da
lebend rüberkam und sein Studium trotzdem nicht abbrach,
aus dem konnte eventuell noch mal was werden." Ihr
Kollege Robert Lynn ergänzt: "Zwei Minuten am Grindel
heute und vor zehn Jahren - ein Unterschied wie Leben und
Blech. Leben macht mehr Spaß." va