Hamburger Morgenpost vom 08.01.2002.

 

Anhörung zum geplanten Rückbau mobilisiert das Viertel - Anwohner greifen neuen Senat an

Grindelhof-Ini droht mit Aufstand

 

Auf kräftigen Gegenwind wird sich Bausenator Mario Mettbach (Schill-Partei) heute Abend im Bezirksamt Eimsbüttel einstellen müssen. Zankapfel ist der geplante Rückbau des Grindelhofes, der vom neuen Senat ins Verkehrskonzept aufgenommen wurde. In einer Anhörung will der SPD-GAL-Mehrheit im Bezirk nun die Fronten klarstellen.

Wie berichtet hat die Anwohnerinitiative Univiertel bereits ein Bürgerbegehren gegen den Rückbau eingereicht - der Tenor: "Alle Anwohner sind dafür, den Ist-Zustand beizubehalten", so Christoph Muermann von der Initiative gegen den Rückbau. Es sei ein Unding, solch eine Planung im Koalitionsvertrag zu vereinbaren, ohne mit den Anwohnern gesprochen zu haben, bringt Muermann die Kritik am neuen Senat auf den Punkt. Sicher sei: Seit der Verkehrsberuhigung vor drei Jahren haben sich die Unfälle drastisch verringert, Lärm und Gestank wurden wesentlich reduziert. "Die Lebensqualität im Viertel hat sich enorm verbessert. Es war hier vorher wahnsinnig gefährlich auf der Straße", so Anwohnerin Christine Harff.

Natürlich gebe es Gewerbetreibende, die mit der jetzigen Situation sehr unzufrieden seien. Gerade im Bereich zum Hallerplatz klagen viele Geschäftsleute über Umsatzrückgänge. Aber was würden die Gastronomen sagen, wenn sie ihre Außenbewirtung nun einstellen müssten? Der Grindelhof - ein Viertel ist gespalten. Der mühsam ausgehandelte Kompromiss einer verkehrsberuhigten Zone droht durch die Pläne des neuen Senats zu kippen.

Bausenator Mettbach will sich während seines Besuches heute Abend ein Bild machen. Die von der SPD-GAL-Mehrheit im Bezirk initiierte Anhörung wird gut besucht sein. Neben Vertretern der Bürgerinitiative kommen der ADAC und der ADFC (sprechen sich ebenfalls gegen einen Rückbau aus), Polizei, Handels- und Handwerkskammer sowie Mitglieder des Einzelhandelsverbandes.

Die Drohgebärde der Anwohnerinitiative in Richtung Senat ist eindeutig: "Wenn es zu einem Rückbau kommt, wird es hier einen riesigen Aufstand geben", kündigt Muermann an.