Grindelhof wird geöffnet, Strese vierspurig


Aufruhr gegen den Auto-Senator


Voller Tatendrang krempelt Bausenator Mario Mettbach (Schill-Partei) die Ärmel hoch. Knapp vier Wochen vor Ablauf der 100-Tage-Frist hagelt es Entscheidungen. Verkehrspolitisch steht er dabei im Kreuzfeuer der Kritik. Ob Stresemannstraße oder Grindelhof - die Anwohner sind stinkesauer und der Koalitionspartner FDP wundert sich.

Stichwort Stresemannstraße: Noch im Frühjahr soll der Verkehr wieder vierspurig laufen und zwar bei Tempo 50, so der Bausenator am Mittwochabend während einer Podiumsdiskussion mit den Anwohnern. Wegen der "Sicherheitsaspekte" entschied sich Mettbach jedoch über Nacht vorerst Tempo 30 beizubehalten - natürlich auf vier Spuren. "Wir werden beobachten, wie sich die Situation vor Ort entwickelt", so Mettbach. Falls der Verkehrsfluss auf der Stresemannstraße dabei nicht so in Gang käme, wie es sich die Koalition wünscht, komme eben Tempo 50.
Der ist Mettbach dennoch gewiss. Die Anwohner veranstalteten bereits gestern die erste Demonstration - weitere Aktionen folgen. "Die Baubehörde vertritt eine Autofahrerpolitik aus den 80er-Jahren" so Sigrid Lemke von der Strese-Initiative. Kritik auch von den Grünen: "Nicht Mobilität und Lebensqualität für alle, sondern Begünstigung der Autofahrerlobby ist das Ziel des Senats", so die verkehrspolitische Sprecherin der GAL-Fraktion, Krista Sager.

In der FDP wundert man sich über das Gebaren von Mettbach, der - löblicherweise - zwei Abende dieser Woche bei den protestierenden Anwohnern verbrachte. "Herr Mettbach hat den Eindruck erweckt, als sei er in Bezug auf die Stresemannstraße ergebnisoffen gewesen. Das stimmt aber nicht", so Fraktionschef Burkhardt Müller-Sönksen. Immerhin gebe es einen Koalitionsvertrag. Das Gleiche gilt für den Grindelhof. Der wird nämlich geöffnet. So oder so. Daran wird auch der für Mitte Februar geplante Gesprächstermin mit der Anwohnerinitiative nichts ändern. Müller-Sönksen ist sicher: "Im Sommer ist der Grindelhof wieder geöffnet." Da helfen auch die schönen Worte des Bausenators nicht, der noch am vergangenen Montag vor den Anwohnern versprach: "Wir werden nichts übers Knie brechen." Die Öffnung könnte folgendermaßen aussehen: Tempo 30 bleibt, die Fahrbahn wird so verändert, "dass zwei Autos sich begegnen können", die Verkehrsinsel in Höhe des Abaton soll als Geschwindigkeitsschikane bestehen bleiben. "Natürlich gibt es mehrere Möglichkeiten der Öffnung. Wir werden mit den Anwohnern die Beste heraussuchen", so Müller-Sönksen.

Die Anwohner-Initiative Univiertel, die bereits ein Bürgerbegehren gegen die Öffnung auf den Weg gebracht hat, schäumt: "Herr Mettbach hat uns versichert, dass es keine Entscheidung gibt, bevor er mit uns gesprochen hat. Wir sind sehr verwundert, jetzt so etwas zu hören", so Sprecher Christoph Muermann.