Hamburger Morgenpost vom 12.10.2001.

Die Verkehrspolitik des neuen Senats

Bitte mit Augenmaß

Immer weniger Parkplätze, Schlaglochstrecken wie im Kaukasus, an jeder Ecke `nen Blitzer, eifrige Park-Sheriffs und Abschlepper: Nein, Autofahrer-freundlich ist Hamburg wirklich nicht. Mehr noch, irgendwie fühlt man sich in unserer Stadt schuldig, wenn man sein Wägelchen durch die Straßen lenkt.

Ob nun berechtigt oder nicht - SPD und GAL vermittelten dem Hamburger Autofahrer das Gefühl, er sei ein potentieller Umweltvergifter, Kindermörder oder Radfahrer-Killer. Politisch korrekt sei nur das Radeln oder U-Bahnfahren. Ronald Schill spricht in seinem Wahlprogramm von "ideologie-geprägter Verkehrspolitik, die den motorisierten Individualverkehr verteufelt". Vielleicht übertrieben, doch es trifft doch den Kern. Repressive Methoden hielten niemanden vom Autofahren ab, sorgten aber mit dafür, dass Rot-Grün auf der Oppositionsbank sitzt. Der Bürgerblock sollte diese Haltung ihrer Wähler aber nicht für einen Freibrief halten. Poller sind nicht generell "böse". Sie halten auch Rettungswege frei. Und ob der Grindelhof wieder "rückgebaut" werden sollte, muss wirklich dreimal überlegt werden.

Thomas Hirschbiegel