Hamburger Morgenpost vom 12.10.2001.

 

Verkehrsberuhigung im Grindelhof: Die MOPO hörte sich im Viertel um

Der 1,1 Millionen-Unsinn?

 

"Die beste Nachricht meines Lebens!" Helene Froriep, Inhaberin der Wäscherei "Kleiderbad" am Grindelhof hebt ihr Sektglas. Die Ankündigung der neuen Mitte-Rechts-Koalition, die Verkehrsberuhigung am Grindelhof aufzuheben, begeistert die 62-jährige Geschäftsfrau. Anderswo stößt der Plan indes auf schroffe Ablehnung.

Nach langem Streit rückten 1998 die Bagger an: Der rot-grüne Senat verwandelte die belebte Durchgangsstraße (19 000 Autofahrer täglich) in eine verkehrsberuhigte Zone. Zwischen Grindelallee und Bornstraße gilt seitdem "Tempo 30" und Einbahn-Verkehr. Richtung Hallerstraße wurde der Weg für Autofahrer durch eine Wendeschleife am "Abaton"-Kino gesperrt. Maßnahmen, die auf den Protest der ansässigen Einzelhändler stießen, die um ihre Laufkundschaft fürchteten.

Dementsprechend erleichtert reagierte gestern die Handelskammer auf die Pläne der neuen Koalition. "Der alte Senat hat hier einen Kardinalfehler gemacht", so Geschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz. "30 Prozent der Firmen dort hat dies das Leben gekostet." Ganz anders sieht es der Eimsbüttler Bezirksamtsleiter Jürgen Mantell (SPD). "Wir haben im Grindelhof einen gut abgehangenen politischen Kompromiss, der von den Anwohnern akzeptiert wird. Es ist doch Unsinn, das jetzt wieder rückgängig zu machen!"

Ins selbe Horn stößt ADAC-Sprecher Rolf-Peter Rocke. "Die Leute haben sich mit der neuen Verkehrssituation arrangiert. Man sollte sich gut überlegen, ob die Wiedereröffnung eine notwendige Maßnahme ist. Ich glaube das nicht!"

Ähnliches hört man auch von vielen Anwohnern und Geschäftsinhabern am Grindelhof. "Das ist doch genauso, als würde man jetzt das Mühlenberger Loch wieder ausbaggern", meint Jörn Lang (56). Der Buchbinder, seit 30 Jahren im Grindelhof ansässig, gehörte zwar anfangs zu den Gegnern der Verkehrsberuhigung, hat sich aber längst damit abgefunden. Schon wegen der Kosten ist er jetzt gegen eine Wiedereröffnung der Straße.

Denn die wird tatsächlich teuer: 1,1 Millionen Mark haben die Beruhigungsmaßnahmen gekostet - etwa genauso viel, schätzt Bezirksamtsleiter Mantell, würde die Rückbauung verschlingen.

 

Thomas Hirschbiegel