Unterschreibt bitte für ein Refugium der Lebenslust!

 

Kaum hat es aufgehört zu schneien und auf der Alster beginnt das
Eis zu tauen, schon stellen die Hamburger die Stühle vor die Tür.
Herrlich. Abatin, Arkadasch, Bar Cassis, Doris Diner, Etrusker, L’
Espresso, Casa Mia, der Grindelhof – verkehrsberuhigt, ein
Refugium der Lebenslust. Die Mittagspause wird zum Kurzurlaub in
der Türkei, Frankreich, Italien, Kalifornien, die Abende zur Fete im
Freien.

Das ist nicht gut, finden Poller-Mario, Blaulicht-Barni,
Knast-Kuschelchen, der olle Ole und die Spaß-Ticker von der FDP.
Logisch, die Stadt ist schließlich nicht zum Vergnügen ihrer
Bewohner, sondern für die Autofahrer da. Freie Fahrt zum
Rothenbaum, heißt die Devise für den Grindel. Klar doch, watt
mutt, datt mutt – damit die ganzen Arbeitslosen und
Sozialhilfeempfänger ohne Umweg von der Straße weg in ihre
Logen auf dem Tennisplatz können. Dass beim Thema Autofahren
beim derzeitigen Senat erst der Verstand und dann die Kinder
unter die Räder kommen, beweist die ebenso rigide wie ignorante
Vorgehensweise am Beispiel der Stresemannstraße.

Die Handelskammer hat gesagt, der Verkehr muss rollen. Und
Mario Mettbach, als ehemaliger Bürger in Uniform daran gewöhnt,
Befehlen zu gehorchen, krempelt beflissen die Ärmel hoch. Dass
inzwischen selbst die Häuptlinge des Geldmacher-Clubs neben
dem Rathaus erkannt haben, wie idiotisch ein Rückbau des
Grindel-Quartiers zur Rennstrecke wäre, ficht diese Regierung
nicht an. Sie tut, als wäre ihre eilig zusammengemurkste
Koalitionsvereinbarung ein in Stein gehauenes Gesetz und von
Moses höchst persönlich in den Senat getragen worden. Wenn
man sich nun noch die Ergebnisse der jüngsten Klausurtagung
ansieht, kann man nur noch ausrufen: Ach wärt ihr doch in
Jesteburg geblieben!

Der Hamburger Filz war die eine Sache. Aber was zur Zeit in
unserer Stadt geschieht, wird später kaum noch zu reparieren
sein. Der viel strapazierte „liberale Geist“ der Elbmetropole kommt
nach Willen des Innensenators und seiner Fans endgültig unter die
Polizeistiefel. Städtebauliche Katastrophen wie die
Europa-Passage zerstören das Stadtbild. Die Priorität Auto
vernichtet Lebensqualität. Ole von Beust und sein Senat
verkloppen den durch unserer aller Steuern finanzierten
städtischen Besitz. Hier geht es nicht mehr ums Tafelsilber, jetzt
wird auch noch der Tisch, auf dem es gelegen hatte,
verschachert.

Aber wie sagen doch die Optimisten – man muss immer auch das
Gute sehen. Also dann: Eines ist ziemlich sicher: Hamburg wird
den Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele 2012 bekommen.
In keiner Mitbewerber-Stadt sitzen in der Regierung so viele
Amateure wie bei uns. Amateure und Olympioniken – das ist ein
Turnschuh. Darum heißt das Motto ja auch, nicht siegen, dabei
sein ist alles.

Realisten in Eimsbüttel sollten allerdings, wenn sie das Flair und
den Charme am Grindelhof und Umgebung retten wollen, tunlichst
ihre Unterschrift für ein Bürgerbegehren leisten. Die Liste liegt im
Bezirksamt Eimsbüttel aus. Rund 1000 Unterschriften fehlen noch.