Hamburger Morgenpost vom 21. Oktober 2003




Schlüterstraße Zoff um
»Alte Post«

SASCHA BALASKO

Bürgerinitiative und CDU gegen
Wohnungsbau / SPD und GAL auch für
Gewerbe

Aufschrei im Uni-Viertel: Nach dem Verkauf
der "Alten Post" an der Schlüterstraße
(Rotherbaum) befürchtet eine
Bürgerinitiative, dass dort demnächst
Gewerbebetriebe einziehen werden. "Das
geht aus einem SPD- und GAL-Antrag in der
Bezirksversammlung hervor", sagt Dieter
Uentzelmann von der Bürger-Ini
Schlüterstraße. Dabei hatte die Initiative
drei Jahre dafür gekämpft, dass die
Universitätsverwaltung in das
denkmalgeschützte Gebäude einzieht. Es
haben sich sowohl der alte wie auch der
neue Senat dafür eingesetzt", so
Uentzelmann. Unterstützung erhält er von
der Bezirks-CDU. In seinem Gegenantrag
lehnt der baupolitische Sprecher Michael
Westenberger eine gewerbliche Nutzung ab.


"Ich war auch immer dafür, dass die Stadt
die Alte Post kauft", sagt Eimsbüttels
Bezirksamtsleiter Jürgen Mantell. Allerdings
habe sich bereits vor zwei Monaten
abgezeichnet, dass die Stadt den von der
Telekom geforderten Kaufpreis (60 Millionen
Euro) nicht zahlen wollte. Bei 35 Millionen
Euro war Schluss.


Noch sieht der Bebauungsplan eine
ausschließlich öffentliche Nutzung für den 35
000-Quadratmeter-Bau vor. Auch in dem
Antrag von SPD und GAL stehe der Wunsch
nach einer universitären Nutzung an erster
Stelle. Die Uni-Verwaltung wird nämlich aus
dem Hauptgebäude ausziehen. "Es muss den
Investoren allerdings auch aufgezeigt
werden, was sonst noch in dem Gebäude
möglich ist, wenn die Uni dort nicht oder nur
in Teile der Post zieht", so Mantell. Erst in
diesen Fällen soll Wohnungsbau und
Gewerbe erlaubt werden. Noch habe die
Universität kein Interesse an dem Gebäude
gezeigt, so Mantell weiter.


"Der neue Eigentümer soll doch die
Möglichkeit haben, etwas mit seiner neuen
Immobilie anzufangen", begründet Horst
Becker (GAL) seinen Antrag. Und er kritisiert
den CDU-Gegenantrag: "So eine Politik
würde die CDU sonst niemals durchgehen
lassen." Er hält seinen Antrag für
"quartiersverträglich". Auch
SPD-Fraktionschef Andreas Koeppen versteht
die Aufregung nicht: "Die Stadt hat das
Gebäude nicht gekauft. Jetzt muss eine
Regelung gefunden werden."


Die "Alte Post" an der Schlüterstraße aus der
Vogelperspektive. Das denkmalgeschützte
Gebäude ist fast 100 Jahre alt