Rückbau am Grindelhof unerwünscht

Mettbach gibt sich auf der Anhörung zur Verkehrsberuhigung umgänglich Von Gernot Knödler
Zumindest einige Verbesserungen am Grindelhof sollen seinen Anwohnern und Gästen erhalten bleiben. Das schien bei der Anhörung zu drei Jahren Verkehrsberuhigung am Montagabend Konsens zu sein. Bausenator Mario Mettbach (Schill) kündigte an: "Einen platten Rückbau wird es nicht geben." Die positiven Effekte des Umbaus zu zerstören, wäre aus seiner Sicht "hirnrissig". Überdies versprach der den zahlreich versammelten Anwohnern, die Entscheidung nicht übers Knie zu brechen. Am Koalitionsvertrag werde er jeoch festhalten.

Kritik gab es an den Angaben des Einzelhandelsverbandes und der Handelskammer zur Lage der Geschäfte im Grindelhof. Werner Grassmann vom Abaton-Kino erklärte die Zahlen für unseriös, weil bei verschiedenen Umfragen ein unterschiedlich großer Kreis von Gewerbetreibenden angesprochen worden sei. Er verlangte eindeutige Zahlen darüber, welche Unternehmen wie und mit welchem Ergebnis befragt wurden.

Anwohner Eginhardt Lisenski, selbst mit Branchenerfahrung, wollte dem Verkehr "vielleicht 10 bis 15 Prozent des Einflusses" auf die Geschäftsentwicklung zugestgehen. Der Rest gehe auf das Konto von Faktoren wie "Überalterung der Inhaber" und "fehlende Konzepte".

In einigen bekannten Fällen, wie bei der Metzgerei und dem Eisenwarenladen, scheint die Geschäftsaufgabe eindeutig nichts mit der Verkehrsberuhigung zu tun zu haben. Die Quartiersbewohner machen sich im übrigen keine Sorgen um den Niedergang ihres Viertels. "Der Grindelhof ist überhaupt nicht verödet", sagte Anwohnerin Heidi Minke, "er ist erblüht".

Selbst Ulf Kalkmann, der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes konzedierte, es wäre falsch, Leerstände nur mit dem Verkehr zu erklären. Allerdings sei allen "klar, dass ein großes Problem das Parken ist". Ähnlich sah es die Polizei. Michael Holtmann vom Baureferat der Universität bot gleich an, in Zusammenarbeit mit dem Bezirk mögliche Orte für Quartiersgaragen zu erkunden. Die Anwohner-Initiative ist darüber allerdings nicht glücklich: Sie befürchtet, dass neue Parkplätze zusätzlichen Verkehr ins Viertel locken würden.

Der Wunsch, den Grindelhof wieder in beiden Richtungen durchfahren zu können, wurde lediglich von Ausschuss-Mitgliedern der CDU und der FDP geäußert. Der CDU-Abgeordnete Michael Westenberger appellierte an die Leute aus dem Grindelhof, auf Verbesserungen in ihrem Viertel zu verzichten, wenn deswegen die Anwohner anderer Straßen mehr Verkehr in Kauf nehmen müssten.

Einzelhandelsvertreter Kalkmann dagegen beteuerte: "Natürlich möchte ich keinen Durchgangsverkehr!" Zwar sollten Autos aus allen Richtungen in den Grindelhof und wieder heraus fahren können. Gleichzeitig will Kalkmann jedoch "die Durchfahrt unattraktiv machen". Den Anwohnern wird das nicht reichen.

Während über den Grindelhof gestritten wird, geht auch die Debatte über die Öffnung der Stresemannstraße weiter. Heute abend ab 19.30 Uhr diskutiert Bausenator Mettbach in der St. Johanniskirche, Max-Brauer-Allee Ecke Stresemannstraße, mit Anwohnern und Experten über das Thema.

taz Hamburg Nr. 6645 vom 9.1.2002, Seite 22, 45 Zeilen (TAZ-Bericht), Gernot Knödler