Auf dem Weg zur Grindelpiste

Kerngebietsausschuss Eimsbüttel diskutiert heute Abend mit Experten über die Wiederöffnung des Grindelhofs Von Gernot Knödler
Die Bezirksversammlung Eimsbüttel hat sich entschlossen, die vom neuen Senat geplante Wiederöffnung des Grindelhofs für den Durchgangsverkehr offensiv anzugehen. Auf Antrag der SPD-Fraktion befragt der Kerngebietsausschuss heute Abend Vertreter der Interessengruppen zu ihren Erfahrungen mit der vor drei Jahren eingeführten Verkehrsberuhigung. Während Anwohner und Nachtschwärmer davon profitierten, wünscht sich die Mehrheit der Gewerbetreibenden die weitgehende Wiederherstellung des alten Zustandes.

Für die Anwohnerinitiative Univiertel, die gegen eine Wiederöffnung per Bürgerbegehren vorgeht, ist der Fall klar: Die Öffnung der Straße für den Zwei-Richtungs-Verkehr würde die Abgaskonzentration in den engen Straßen erhöhen, es würde lauter werden und die Zahl der Verkehrsunfälle nähme wieder zu. Letztere war laut Polizei von 47 im Jahr 1997, dem letzten Jahr vor der Verkehrsberuhigung, auf 36 in 2000 gesunken.

Die Initiative befürchtet weiter, dass es für Kinder und Alte wieder mühselig würde, die Straße zu überqueren. Vor dem Umbau fuhren der Baubehörde zufolge bis zu 19.000 Fahrzeuge täglich durch den Grindelhof. Bei einer Öffnung würden viele Autos in die Nebenstraßen drängen und dort die Parkplätze blockieren.

Die Handelskammer befragte die Gewerbetreibenden nach der Verkehrsberuhigung, zuletzt im vergangenen Oktober. Dabei hätten sich 70 Prozent für eine Öffnung ausgesprochen, unter der Prämisse dass die Fahrbahn nicht wieder verbreitert werde, sagt Claus Tiedemann von der Kammer. Die neuen Parkplätze und die Möglichkeiten der Lokale, draußen Tische aufzustellen, sollten erhalten bleiben.

Seit der Verkehrsberuhigung, so Tiedemann weiter, habe sich die Zahl der Betriebe etwas verringert. Sie wechselten häufiger als vor dem Umbau, einzelne hätten Umsatzverluste von bis zu 50 Prozent gehabt. Allerdings sei der Umbau "sicher nicht für jede Geschäftsaufgabe, jeden Weggang Auslöser" gewesen, räumt er ein.

Die Handwerkskammer plädiert ebenfalls für die Öffnung. Der Umbau habe bereits zu einer Entmischung der bestehenden Gewerbestruktur geführt, sagt ihr Geschäftsführer Jürgen Hogeforster. Gaststätten verdrängten Handwerksbetriebe und Geschäfte, so dass die Anwohner weitere Wege in Kauf nehmen müssten und zusätzlicher Verkehr erzeugt werde.

Der ADAC dagegen hält den Rückbau für ein Problem, weil da erhebliche Kosten entstehen", so sein verkehrspolitischer Sprecher Carsten Willms. Das Kind sei nun einmal in den Brunnen gefallen, außerdem habe ein Strukturwandel stattgefunden. Mit dem Geld sollten Parkplätze und eine U-Bahn-Station Johnsallee gebaut werden.

taz Hamburg Nr. 6643 vom 7.1.2002, Seite 21, 41 Zeilen (TAZ-Bericht), Gernot Knödler