Heftige Debatte über geplante Öffnung des Grindelhofs
Die Anwohner wollen ihr lieb gewonnenes "Idyll" gerne behalten

"Kein Schil(l)da am Grindelhof" stand auf einem Transparent, mit dem Anwohner der Straße Besucher und Mitglieder des Kerngebietsausschusses in Eimsbüttel zur ersten Sitzung im neuen Jahr begrüßt wurden. Und die Schildbürger hätten an der Veranstaltung ihre Freude gehabt: Da wurde gepoltert und gedroht und der Vorsitzende Michael Hauschildt (SPD) hatte alle Hände voll zu tun, die Ordnung aufrechtzuerhalten.Am Grindelhof scheiden sich die Geister und auch die politischen Kräfte der Stadt. Während die Bürgerliche Koalition den im November 1998 vollendeten Umbau zur verkehrsberuhigten Einbahnstraße wieder rückgängig machen will, möchten die Anwohner sowie SPD und GAL ihr inzwischen lieb gewonnenes "Idyll" gerne behalten. Sie befürchten, dass Lärm und Abgasbelastung wieder zunehmen, wenn die Straße in beide Richtungen befahrbar ist. Und diese Befürchtung ist nicht unbegründet. Denn es geht nicht um die bloße Wiederöffnung der Straße, die einst 20 000 Autos täglich verkraften musste. CDU, Schill-Partei und FDP wollen sie als Nord-Süd-Verbindung für den Durchgangsverkehr herstellen.Entsprechend groß ist der Unmut der Anwohner, die zu der Anhörung zahlreich erschienen und es den geladenen Experten, wie Ulf Kalkmann vom Einzelhandelsverband, nicht einfach machten, ihre Argumente darzulegen. Kalkmann verwies darauf, dass seit der Verkehrsberuhigung die Umsatzzahlen der Geschäfte im Grindelhof rückläufig seien und forderte mehr Stellplätze für Kurzparker. Er erntete Hohngelächter.Mit ernstem Gesicht erzählte Klaus Harbs, Leiter der Abteilung Stadtentwicklung bei der Handelskammer, dass es sogar sieben Geschäftsschließungen gegeben habe. Werner Grassmann, Besitzer des Abaton-Kinos, bezweifelte die Ergebnisse der Handelskammer. Die Gründe für Geschäftsaufgaben seien ganz unterschiedlich, außerdem sei der Trend nicht nur im Grindelhof zu beobachten. Fraglich sei auch die Studie der Handelskammer: "Ich wurde bei den Umfragen nie befragt und das Bistro auch nicht." Im Gegenteil: Die Gastronomie lebe seit der Verkehrsberuhigung auf. Und der Vertreter vom Fahrrad-Club, Stefan Warda, verwies darauf, dass der Umbau des Grindelhofs vom Deutschen Asphaltverband als "Wegweisendes Projekt der Stadtgestaltung und Stadterneuerung" ausgezeichnet worden sei.Spannend dürfte werden, wie Bau- und Verkehrssenator Mario Mettbach sein Versprechen einhalten will, das er den Anwohnern gab: "Einen platten Rückbau will keiner, das wäre fantasielos. Ich suche eine Lösung, die die positiven Effekte der Entwicklung des Grindelhofs mit dem verbindet, was der Verkehrsfluss fordert", sagte der Senator. Wie er den Spagat hinbekommen will, konnten nicht einmal die Sachverständigen vom ADAC nachvollziehen. mk