Die Welt vom 21. Oktober 2003

 


Bankhaus Wölbern kauft alte Post in der Schlüterstraße

Das historische Postamt an der Schlüterstraße
ist verkauft. Der Telekom-Konzern hat das
neugotische Backsteingebäude bereits am
2. Oktober an einen Fonds der Wölbern Bank
veräußert. Der Kaufpreis des zwischen 1902
und 1907 errichteten Post-Palasts soll wie
verlautet bei mehr als 60 Millionen Euro liegen.
Damit ist die Hansestadt als Bieter für das
Gebäude aus dem Rennen. Der Senat, der die
Flächen für die Universität kaufen wollte,
konnte nur 30 Millionen Euro bieten.
Heute soll sich der Planungsausschuss des
Bezirks mit der Transaktion befassen. SPD und
GAL wollen erreichen, dass die von Efeu
umrankte Post einer universitären oder
Wohnnutzung zugeführt wird. Die CDU fordert
darüber hinaus den Ausschluss einer
gewerblichen Nutzung. Das Bankhaus Wölbern
wollte sich am Montag nicht offiziell äußern.
Nach Informationen der WELT soll sich an der
Mieterstruktur zunächst nichts ändern. Die
Mietverträge mit Telekom-Töchtern sowie mit
der Post laufen erst 2008 und 2018 aus.
Komplett vermietet gilt das Haus als solide
Anlage. Langfristig planen die Investoren eine
gemischte Nutzung aus Universität, Wohnen
und Gewerbe. Dabei hat, wie verlautet, die
Universität erste Priorität.
Eine gewerbliche Nutzung soll sich in das
Quartier einfügen, das von den
Parkmöglichkeiten im Univiertel eine eher
problematische Adresse ist. Eventuelle
Veränderungsbestrebungen würde ohnehin
schnell an rechtliche Grenzen stoßen: Die
Nutzung ist durch das Planrecht von 1973 an
das Fernmeldewesen gebunden. Eine freie
Vermietung ist ohne Änderung des
Bebauungsplans "Rothenbaum 23" nicht
möglich. Zudem steht der gründerzeitliche
Klinkerbau, der einst das erste Telegrafenamt
der Hansestadt beherbergte, unter
Denkmalschutz. mk/gs